Von frühester Kindheit an verfolgte mich ein Thema: Ich war
anders...
Anders als andere Kinder, anders als meine Eltern, anders
als es gemeinhin von einem Kind erwartet wurde, anders als
meine Eltern sich ihr Kind erwarteten. Viele Jahre war es
ein Kampf um Akzeptanz, um einfach angenommen zu werden, wie
wie ich war, akzeptiert zu werden, verstanden zu werden und
vielleicht sogar geliebt.. Es war nicht so, dass es mich mit
Stolz oder Scham erfülllt hätte, anders zu sein. Ich nahm es
zur Kenntnis sozusagen, es war eine innere NOtwendigkeit.
Nicht die Notwendigkeit anders zu sein, sondern die
Notwendigkeit so zu sein.So zu sein und nicht anders.Sehr
sehr früh kam ich sozusagen mit Gott ins Gespräch.Nicht ,
dass es eine friedvolle Kommunikation gegeben hätte. Nein-
mehr als alles andere stellte ich Fragen, hauptsächlich
stellte ich ihn und seine Existenz in Frage. Doch schien er
es mir nicht übel zu nehmen , denn mit 16 vertraute ich
diesem Etwas, das ich Gott nannte, so sehr, dass ich das
erste mal mein Leben in seine Hände legte und bewusst sagte,
dein Wille geschehe...Vielleicht war es auch nur der Wunsch
mich einer höheren Führung anzuvertrauen, etwas was mir
Schutz und Geborgenheit vermittelte und definitiv mehr
Verständnis und Weisheit vermuten liess, als ich meinem
Umfeld je zugestand. Vielleicht war es ein Fehler...denn
fortan geschahen Dinge in meinem Leben, die ich mir weder
ausdenken hätte können, noch mir wünschen..Unverständliche
Dinge, die mich nicht nur zu noch unverständlicheren
Ansichten und Handlungen( vom Umfeld betrachtet) trieben wie
bisher..das Neue war, diese Impulse waren mir selbst
unverständlich, wenn auch irgendwie vertraut. Ich fühlte es
so, als ob sowas wie eine Kraft durch meinen Körper strömte,
die weder den Nerven - noch den Blutbahnen entsprach , aber
irgendwie parallel zu ihnen existierte und diese Kraft war
es , die mich trieb , die ich anfangs verfluchte, weil sie
mich , wie gesagt , noch "anderster" machte und irgendwann
als Notwendigkeit akzeptierte. Was anfangs noch ein Kampf um
Anerkennung war , wich einem fast existentiellem Kampf ,
"so" sein zu dürfen. Denn mit steigendem Unverständnis
meiner Umwelt, merkte ich, wie ich zur Bedrohung wurde, für
ihre Glaubenssysteme, für ihr Sosein und oft hörte ich das
teils ausgesprochene Seufzen..oh könntest du nur anders
sein, könnte man dich vielleicht lieben...Nun kämpfte ich an
zwei Fronten..erstens um Verständnis von aussen, zweitens um
so was wie Liebe für mich selbst....Die Liebe und das
Mitgefühl für mich selbst und so auch für das Anderssein der
anderen entwickelte sich relativ schnell,den Wunsch
verstanden zu werden, konnte ich nie ganz ablegen, aber
immerhin war eine verzweifelte Erwartung zum Wunsch
geworden.Ich erwartete nichts mehr und begann irgendwann zu
vertrauen..in was? Ich könnts nicht sagen...in meine
Intuition, in die geistige Welt, in das Leben? Dieses
Vertrauen war mir lebensnotwendig, und wurde nicht nur nicht
verstanden, sondern mir als Wahnsinn, Arroganz, Grausamkeit
ausgelegt, da ich , je mehr ich vertraute, mich noch weiter
von den herkömmlichen Regeln entfernte. Ich bemerkte, dass
meine Besonderheit mich immer mehr ab-sonderte von meinem
Umfeld und das erfüllte mich mit Schmerz, mit Mitleid auch
mit mir selbst und mit den anderen, deren Vorstellungen ich
nicht entsprach, nicht entsprechen konnte..Ich wähle bewusst
das Wort Mitleid, denn ich litt darunter und meine Umgebung
mit mir. Ich fühlte ihren Schmerz körperlich, wie meinen
eigenen und oft hatte ich das Gefühl mich entscheiden zu
müssen, entweder für ein mir gemässes Leben( auch wenn es
kein Anzeichen dafür gab, in diesem Leben mir ähnliches zu
finden , 1987) oder sie vor dem Schmerz zu beschützen, der
mein Anderssein in ihnen auslöste. Dieser inneren
Notwendigkeit folgend , blieb ich mir treu und fand
irgendwann sowas wie Frieden in mir und mit der Zeit auch
andere, die ebenso anders waren, wie ich. Immer und immer
wieder bis heute, werde ich dafür beschuldigt anders zu sein
und mit unendlicher Geduld versuche ich mich zu erklären ,
gewissermassen, um ihnen eine Möglichkeit zu geben , zu
verstehen. Doch noch heute fühle ich den Unwillen, oder
schlicht die Unfähigkeit ihrerseits mich verstehen zu
können. Zu sehr sind sie noch im Schwarz-weiss Denken
verhaftet, zu sehr in Begriffen wie gut und böse..zu
ausschliesslich ist ihr Urteil, um mich gutheissen zu
können, ohne sich selbst zu verurteilen. Meine Existenz und
die mir gemässe Wahrheit, fühlen sie als ständige Anklage,
die gegen sie gerichtet ist . " Wir haben wohl alles falsch
gemacht in deinen Augen " Die tausendste Wiederholung , dass
ich ihnen weder Schuld zuweise, noch ihnen Fehler
unterstelle...verhallt ungehört.Noch heute tut es mir
manchmal weh, dass mein Sosein Menschen Schmerz zufügt.
Aussagen wie ,jeder Mensch " verdient" Mitgefühl, auch ein
Massenmörder.....lösen in manchen Menschen nicht nur
Unverständnis aus, sondern fast Abscheu und mir wird die
Solidarisierung mit den Tätern vorgeworfen. Dass man einen
Menschen lieben kann, der einem Schmerz zugefügt hat, ist in
ihren Ohren quasi das eigene Todesurteil. Dass es
Verbindungen zwischen Menschen(seelen) gibt, die nichts
damit zu tun hat, ob einer oder beide dieser Liebe oder
Verbindung "wert" sind, ist schlichtweg utopisch für sie....
Wie auch immer....anders sein- manchmal einsam sich fühlen,
doch nicht allein ...doch zunehmend all-ein.....Auch die
anderen so-sein lassen, ihnen die Wahl zu lassen, auch ihnen
den Schmerz zu lassen, den sie sich selbst in ihrer "
Gefängnisscheinrealität" zufügen, sind auch für mich grosse
Herausforderungen..immer noch.....auch die Offenheit eigenen
Schmerz zu zeigen, auch wenn er gegen dich verwendet wird,
im Sinne von: Wie wahr kann das, woran du glaubst schon
sein, wenn es dir so schlecht geht...Schmerz grundsätzlich
zu akzeptieren und nicht als Versagen zu sehen: ein grosser
Schritt, über den in den letzten Tagen viel geschrieben
wurde....Wie wird die Welt der Zukunft aussehen ? Wird sie
eine gespaltene Welt sein? eine mit Menschen wie uns, deren
Erlebnisrealität sich mehr und mehr anderen
Gesetzmässigkeiten anpasst und sich still und heimlich
verabschiedet von der alten Welt, beziehungsweise aus ihr
herauswächst und neue Räume bewohnt? Oder wird es ein
friedliches Neben- und Miteinander geben zwischen denen die
so sind und denen , die anders sind ? Ich denke es wird die
Aufgabe der sogenannten " Anderen" sein ( die wir sind) die
Akzeptanz aller Pfade zu leben, denn nur ein grösseres
Bewusstsein kann ein kleineres umfassen , und zu hoffen,
dass eines Tages diese bedingungslose Akzeptanz des anderen
in Resonanz geht und so gedachte Grenzen sich auflösen...Ich
habe dies alles geschrieben, weil es mir gut tat, es zu
schreiben, aber auch, weil ich weiss, dass ich in diesen
meinen Erfahrungen nicht alleine bin..in Liebe..Lile