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Wundersame Reisen

GLASTONBURY

Eigentlich war es eine schwarze Katze, die mich in diesem Leben das erste Mal nach Glastonbury brachte. Es war vor vielen, vielen Jahren, als ich noch in der Schweiz lebte und gerade erfahren hatte, dass einer meiner engsten Seelengefährten schwer erkrankt war.

Ich lag auf einem Sofa in Ringgenberg, hoch über dem Brienzersee und weinte. Die schwarze Katze, die ich als Babykatze in Zürich auf der Strasse aufgelesen hatte, lag auf meiner Brust und massierte mein Herz, wie das nur Katzen können. Innerlich schrie ich um Hilfe. Sie sprach zu mir in Bildern und vor meinem geistigen Augen tauchte ein Hügel auf, mit einem Turm drauf. Es war als ob der Platz mich zu sich riefe, eindringlich und bestimmt.

Kurze Zeit danach sah ich ein Bild von Glastonbury Tor und ich erkannte den Hügel sofort. Ich folgte dem Ruf und Glastonbury wurde mir u.a.zu einer Art Seelenheimat auf diesem Planeten. Ich verbrachte viele Monde dort, lebte im Garten von Chalice Well, bei Freunden auch und habe unzählige Imbolcs, Beltanes, Samhains, Sonnwenden etc dort gefeiert.

Der Hügel zog mich in den ersten Jahren magisch an. Ich war dort bei Sonnenaufgang, bei Sonnenuntergang, um Mitternacht, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter. Die grosse Mutter lehrte mich, die Quelle nährte mich und die Eibe am Brunnen bot mir Schutz auf meinen Reisen in die andere Welt. Ich reiste durch Zeit und Raum, und jeder meiner Schritte war geführt, begleitet auch.

Manchmal wachte ich mitten in der Nacht auf und hatte eine klare Vision wohin ich gehen sollte, eine spezielle Parkbank, eine Wiese, ein Baum..und immer, immer traf ich dort jemanden, der ebenso an diesen Platz geführt worden war und jede dieser Begegnungen war prägend...

Nie werd ich vergessen, wie ich in einer eisigen Winternacht auf das Tor(so heisst der Hügel dort) ging und einen Zauberer traf..

Ich habe sein Gesicht nie ganz gesehen, sein Name in einer mir unbekannten Sprache bedeutete Freund..und er erzählte mir die ganze Nacht lang Geschichten und beschwor die Drachen..

Ich habe in Glastonbury viele Zauberer getroffen, und weise Frauen..auch Wesen hinter den Nebeln...ich habe ein Portal gesehen, weiss, leuchtend in einer Neumondnacht, doch all dies möchte ich heute nicht erzählen..

Heute möchte ich von einem Morgen berichten, von einem Sonnenaufgang, an dem ich mich alleine auf dem Hügel meinte und, an eine der Wände geschmiegt, aussen am Turm sass und die Sonne am Horizont erscheinen sah...und plötzlich hob eine Stimme von innerhalb des Turms an zu singen, engelszart und rein, unendlich lieblich und sie sang: This time, I won´t refuse loving you....( Diesmal, in dieser Zeit, werde ich nicht verweigern dich zu lieben....)...

Diese Stimme, dieses Lied drangen tief in mein Herz, tief in meine Seele, und obwohl ich den Rest des Textes vergessen habe, sind es noch immer Erlebnisuniversen, die sich mir eröffnen, wenn ich mich daran erinnere. Die Sängerin hiess Ahuva...und sie wurde mir zu einer lieben Freundin, doch auch dies ist eine andere Geschichte...

Es mag der Tag kommen, wo ich von all meinen Glastonbury Erfahrungen berichten werde. Es ist ein Platz der Mythen, der Legenden, und viele viele Suchende und Wissende haben diesen Platz immer wieder besucht. Viel Gedankenmüll, auch Profitgier haben diesen Platz überlagert, heimgesucht. Er ist ebenso licht wie dunkel, männlich und weiblich sind dort auf wundersame Weise vereint.

Es war und ist ein Ort der Kraft, ein Platz, der mehr als andere dazu einlädt hinter die Nebel der Trennung zu schauen und das eine Licht hinter "gut" und "böse" zu erfühlen. Die weisse Quelle, die rote Quelle, das Tor, the Abbey Grounds, der Dornbusch, der Brunnen in Chalice Well Gardens....die Bäume...die Landschaft...

Auch wenn all die Geschäfte und deren zauberhafter Inhalt, auch die bunten Menschen in der Glastonbury High Street, die Herzen aller Menschen höher schlagen lassen, die angesichts des Zaubers und der Andersartigkeit, in einer Zeit der Mugglemehrheit, hier mal tief atmen können....ist Glastonbury doch mehr als eine gefinkelt Legenden ausschlachtende Touristenattraktion....

Mutter Erde hat ihre Tore hier weit geöffnet, für alle die mit dem Herzen sehn.....Dies mag jetzt wie eine Liebeserklärung klingen und in gewisser Weise, ist es das auch...Ich bin soeben zurückgekehrt von einer Reise, die mich wieder nach Glastonbury geführt hat....

Doch in dem Satz des obigen Liedes, von dem ich euch erzählte: This time, I won´t refuse loving you..steckt soviel mehr......doch was, wird sich jedem von Euch auf ihm gemässe Weise eröffnen...und mir bleibt nur eines zu sagen: Es ist schön, dass es euch gibt und diesmal, weigert euch nicht zu lieben...euch selbst, den Geliebten, das Leben, die Erde.....wer oder was auch immer hinter einem halboffenen Spalt in eurem Herzen, darauf wartet, von euch geliebt zu sein...


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