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Symbole

Runen

Runen

Ursprung und Entstehung

Runen (abgeleitet vom urgermanischen runo – Geheimnis, Geflüster) entstanden etwa im 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr. Die Forschung geht davon aus, dass sie aus norditalischen oder lateinischen Alphabeten adaptiert wurden, um sie in hartes Material wie Holz, Stein oder Metall zu ritzen. Deshalb gibt es keine waagerechten oder runden Linien (die mit der Holzmaserung verlaufen würden).

Das Ältere Futhark (Germanisch, ca. 150–800 n. Chr.)

Dies ist das ursprüngliche System mit 24 Runen, eingeteilt in drei Gruppen (Aetts) zu je acht Runen.

Erstes Aett (Freyas Aet

Rune Name Bedeutung Beschreibung / Symbolik
Fehu Vieh / Reichtum Besitz, Energie, Wohlstand
Uruz Auerochse Urkraft, Vitalität, Stärke
Thurisaz Riese / Dorn Schutz, Konflikt, Widerstand
Ansuz Gott (Asen) Kommunikation, Weisheit, Inspiration
Raido Ritt / Reise Ordnung, Rhythmus, Gerechtigkeit
Kenaz Fackel Wissen, Transformation, Feuer
Gebo Geschenk Austausch, Partnerschaft
Wunjo Wonne / Freude Harmonie, Erfolg, Glück

Zweites Aett (Heimdalls Aett)

Rune Name Bedeutung Beschreibung / Symbolik
Hagalaz Hagel Unkontrollierte Kräfte, Schicksalsschlag,
Nauthiz Not / Zwang Notwendigkeit, Widerstand, Schicksal,
Isa Eis Stillstand, Konzentration, Blockade.
Jera Jahr / Ernte Belohnung, Kreislauf, natürliche Ordnung.
Eihwaz Eibe Weltenbaum, Ausdauer, Schutz, Leben & Tod.
Perthro Würfelbecher? Unbekannte, Zufall, Einweihung, Schicksal.
Algiz Elch (Schutz) Abwehr, Verbindung Göttlichen, Instinkt.
Sowilo Sonne Erfolg, Lebenskraft, Sieg, Ganzheit.

Drittes Aett (Tyrs Aett)

RuneNameBedeutungBeschreibung / Symbolik
TiwazGott TyrOpferbereitschaft, Ehre, Recht, Mut.
BerkanoBirkeGeburt, Wachstum, Heilung, Neubeginn.
EhwazPferdVertrauen, Zusammenarbeit, Bewegung, Dualität.
MannazMenschMenschlichkeit, Gemeinschaft, Verstand.
LaguzWasserIntuition, Emotionen, Fluss, Unbewusstes.
IngwazGott IngPotenzial, innere Reife, Ruhephase vor dem Start.
OthalaErbe / BesitzAhnen, Heimat, unbeweglicher Besitz, Tradition.
DagazTagDurchbruch, Licht, Transformation, Balance.


Das Jüngere Futhark (Wikingerzeit, ab ca. 800 n. Chr.)

Mit Beginn der Wikingerzeit reduzierte sich die Anzahl der Runen auf 16 Zeichen, obwohl die Sprache komplexer wurde. Dies zwang die Runenmeister dazu, eine Rune für mehrere Laute zu verwenden.

Die 16 Runen des Jüngeren Futhark:

  1. ᚠ (Fé): Reichtum
  2. ᚢ (Úr): Eisen / Regen
  3. ᚦ (Thurs): Riese
  4. ᚬ (Óss): Asen-Gott / Mund
  5. ᚱ (Reið): Ritt
  6. mathbf{ᚴ} (Kaun): Geschwür / Fackel
  7. ᚼ (Hagall): Hagel
  8. ᚾ (Nauð): Not
  9. ᛁ (Íss): Eis
  10. ᛅ (Ár): Ernte
  11. ᛂ (Sól): Sonne
  12. ᛏ (Týr): Gott Tyr
  13. ᛒ (Björk): Birke
  14. ᛗ (Maðr): Mensch
  15. ᛚ (Lögr): Wasser
  16. yr (Yr): Eibe / Bogen

Das Angelsächsische Futhorc (5. bis 11. Jhdt.)

Die Friesen und Angelsachsen erweiterten die Reihe auf 29 bis 33 Runen, um die neuen Laute der altenglischen Sprache abzubilden.

Frequenz und Anwendung

Weitere große Hochkulturen (neben Maya & Inka)

In Mittel- und Südamerika gab es noch weitere beeindruckende Zivilisationen, die oft die Basis für die Maya oder Azteken legten:

Wer hatte noch „Runen“?

Der Begriff „Rune“ wird wissenschaftlich meist für die germanischen Zeichen verwendet. Es gibt jedoch andere Kulturen, die verblüffend ähnliche lineare Schriftsysteme entwickelten, die oft fälschlicherweise oder aufgrund der Optik ebenfalls als Runen bezeichnet werden:

Die Alttürkischen Runen (Orchon-Runen)

Im 8. Jahrhundert n. Chr. nutzten die Göktürken in Zentralasien (Mongolei/Sibirien) ein System, das den germanischen Runen optisch extrem ähnlich sieht, aber völlig eigenständig entstand.

Die Altungarischen Runen (Rovásírás)

Die Vorfahren der Magyaren nutzten bis ins 10. Jahrhundert ein Kerbsystem, das ebenfalls oft „Runen“ genannt wird.

Die Dalrunen (Schweden)

Das ist ein faszinierendes Spätphänomen. In der schwedischen Region Dalarna hielten sich Runen bis ins 19. Jahrhundert! Sie vermischten sich mit lateinischen Buchstaben und wurden für den Alltag (z.B. auf Hausrat) genutzt, lange nachdem der Rest Europas nur noch lateinisch schrieb.

Der große Unterschied bei der Schrift

SystemTypRegionGermanische RunenAlphabet (Phonogramme)NordeuropaMaya-SchriftLogogramme & Silben (Bilder)MittelamerikaAzteken-SchriftPiktogramme (Bilderschrift)MexikoInka (Quipu)Keine Schrift, sondern KnotenschnüreAnden

System Typ Region
Germanische Runen Alphabet (Phonogramme) Nordeuropa
Maya-Schrift Logogramme & Silben (Bilder) Mittelamerika
Azteken-Schrift Piktogramme (Bilderschrift) Mexiko
Inka (Quipu) Keine Schrift, sondern Knotenschnüre Anden

Wichtiger Fakt: Die Inka hatten nach heutigem Wissen überhaupt keine geschriebenen Buchstaben oder Runen. Sie nutzten Quipus – ein komplexes System aus Schnüren und Knoten, um Daten, Steuern und vielleicht sogar Geschichten zu speichern.


Die optische Ähnlichkeit zwischen diesen Schriftsystemen ist verblüffend, hat aber meist einen ganz praktischen Grund: Das Material.

Wer Zeichen in Holz, Stein oder Metall ritzt, stößt auf dieselben physikalischen Hindernisse. Deshalb sehen sich „Runen“ weltweit oft ähnlich, auch wenn die Völker nie Kontakt hatten.

Die drei Hauptgründe für den „Runen-Look“

Optischer Vergleich der Systeme

Hier siehst du, wie ähnlich sich die Zeichenformen (Grapheme) über Kontinente hinweg sind:


Besondere optische Phänomene

1. Die Orchon-Runen (Zentralasien)

Wenn du eine Inschrift der Göktürken siehst, würdest du sie auf den ersten Blick für Wikinger-Runen halten. Sie nutzen dieselbe karge, kantige Ästhetik. Der Hauptunterschied: Die alttürkischen Runen wirken oft etwas „gedrungener“ und haben mehr kleine Häkchen an den Enden.

2. Die Cirth (Mittelerde - Fiktion)

Ein interessantes Beispiel für optische Ähnlichkeit ist die von J.R.R. Tolkien geschaffene Zwergen-Schrift „Cirth“. Er hat sie bewusst so entworfen, dass sie die Ästhetik der germanischen Runen imitiert, um das Gefühl von „in Stein gehauener Geschichte“ zu erzeugen.

3. Maya-Schrift (Der Gegenentwurf)

Im krassen optischen Gegensatz dazu stehen die Maya. Da sie ihre Schrift oft malten oder in weichen Kalkstein meißelten (und dann verputzten), konnten sie extrem komplexe, runde und bildhafte Formen nutzen. Es gibt dort keine optische Ähnlichkeit zu Runen – es sieht eher aus wie ein Comic-Panel voller Gesichter und Symbole.

Zusammenfassung für deine Recherche

Die optische Ähnlichkeit ist ein Fall von konvergenter Evolution: Unterschiedliche Kulturen finden die gleiche Lösung für das gleiche Problem (Schreiben auf hartem Untergrund).

Hinweis: Lass dich nicht täuschen – nur weil ein Zeichen wie ein "X" aussieht, bedeutet es in der Mongolei etwas völlig anderes als in Skandinavien.




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